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Mein 1. Besuch im Chemnitzer CubeClub

Der CubeClub in Chemnitz ist wohl einer der meistdiskutierten Clubs in Chemnitz. "Assischuppen", "Bruchbude", "lieber zu Hause nochmal auf Toilette gehen und dort gar nicht", "kalt, weil ungeheizt", "fragwürdige Clubgänger" - all das hört man über den Cube, wenn man sich bei Freunden und Bekannten darüber schlau macht. Umso mehr musste ich einfach mal rein und herausfinden, ob irgendetwas davon stimmt - und zumindest für die Nacht von gestern zu heute kann ich nicht eine einzige dieser Behauptungen bestätigen.
Von außen sieht der Cube schon sehr heruntergekommen aus - er soll ja auch schon seit 2 Jahren abgerissen werden - mit seiner markanten Betonkastenform, dem groben Wellblech vor den Fenstern und dem Eingangsbereich, bei dem man sich fragt, ob man gerade wirklich einen Club oder eine Rotlichtbar betritt. Ich muss aber verteidigend sagen, dass diese "Heruntergekommenheit" nicht unbedingt unabsichtlich in den CubeClub Einzug gehalten hat.
Überall finden sich im inneren kantige Betonformen, die meisten Wände sind tiefrot gestrichen und die Räume nur schummrig rot ausgeleuchtet, an einer Wand hängen hunderte von CDs und geben ihre Lichtreflexe in einen langen Gang ab, der mit drei Neonröhren sehr gedämpft ausgeleuchtet ist. "Gedämpft" trifft es sowieso ganz gut: ein exorbitanter Einsatz von Nebelmaschinen auf den Floors lässt Gänge im Nebel verschwinden und selbige manchmal auch. Als wir uns durch den Cube bewegten und erst einmal alle Räume und Gänge in Augenschein nahmen, konnte man im Core-Floor die Hand vor Augen kaum sehen. Zudem war der extreme und ununterbrochene Einsatz von einem weiß/blauen Stroboskopblitzer und zwei ebenfalls als Strobe angesteuerten Spots sehr gewöhnungsbedürftig - passte aber zum gespielten HardStyle und TechCore.
Im anderen der zwei geöffneten Floors wurde House aufgelegt. Nebel gab es hier zwar auch genügend, aber keine Stroboskopblitzer. Dafür hingen an der Decke große Kästen mit Milchglasscheiben, durch die Scheinwerfer gelegentlich diffuses farbiges Licht abgaben. Positiv war, dass ausschließlich Vinyls aufgelegt und gemischt worden, es kam nicht eine einzige CD oder Festplatte zum Einsatz. So erlebt man DJs gerne noch und es verringerte die Anzahl gespielter Kommerztracks auf Null.
Die Qualität der anwesenden DJs unterschied sich sehr - man kann für beide Floors zusammenfassen, dass die ersten DJs die besten waren. Die gespielten Tracks waren ansprechend, teils schön drückend und wurden häufig mit guten Übergängen gewechselt. Die DJs am Ende hingegen ließen manche Tracks schon teils 10 Minuten auf dem Teller, was für schnöde Monotonie ohne Highlights sorgte.
Soundtechnisch macht der Cube den anderen Clubs und Discos meiner Meinung nach mächtig Konkurrenz. Die Soundabstimmung ist keineswegs derart extrem basslastig und effektheischend wie z.B. im EMC Stollberg. Vibrationen wurden auf ein Minimum reduziert und mit fortschreitender Nachtstunde der Sound immer lauter. Das schafften die Boxen aber trotzdem problemlos und klangen einwandfrei. Meiner Meinung nach kann da auch das SAX nicht mithalten und das 1866 nur, wenn man in der Lounge in der Nähe des DJ-Pults sitzt.
Nun noch zu einer der Behauptungen, dass die Toiletten unbenutzbar wären. Ich gebe zu, ich habe schon sehr gestaunt, dass man einen Tischtennisschläger als Unterlegscheibe für den Riegel einer Toilettentür verwenden kann, doch irgendwie unterstreicht das den untergründigen Charme des CubeClubs. Die Toiletten sind vollkommen in Ordnung, wenn auch 1 Kabine + 2 Pissoirs für einen derart großen Club schon zu kleinen Staus führen können.
Kalt war uns im Cube auch nicht. Über Lüftungsschächte wurde ständig warme Luft nachgelegt, in einem Raum mit einer Cocktailbar stand sogar ein Gas-Heizpilz (ob das so gesund bzw. sicher ist?), der temperaturmäßig Karibikflair erweckte. Später wurde einem dann mit steigender Besucherzahl und den gut gefüllten Floors auch so warm. Apropos Cocktailbar: der bestellte Ipanema (alkoholfreier Caipirinha) kostete mich 4,50 €, war mit wenig Zucker zubereitet und schön sauer - sehr erfrischend und lecker gemacht, wenn auch ich 4,50 € für einen Cocktail ohne Alkohol für sehr preisintensiv halte. Dafür war der Barkeeper sehr kompetent und unterhielt mit ein wenig Flair Bottling während der Zubereitung.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Cube seinen schlechten Ruf unter den Besuchern von SAX, FX, 1866 und EMC überhaupt nicht verdient hat. Die Location mag eigen sein und schreckt anfangs vielleicht etwas ab, aber die Musik ist gut, die Floors gut ausgestattet und geräumig und es hat diesen gewissen Touch von Untergrund durch die rötlich-düstere Beleuchtung überall. Wer noch nicht da war, sollte es sich wirklich mal antun und erst dann über den Cube Urteile fällen. Apropos Urteile: der Eintritt kostete 6 €, man hat sich meine Bewertung also auf keinen Fall mit einem Dumpingeintrittspreis erkauft ;-).

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