Da das Zeug aber nicht nur süßen soll (das tut Süßstoff in Form von Sorbitol auch und er schmeckt grausam), sondern auch schmecken soll, habe ich einen Selbstversuch gewagt. Eigentlich kann man Stevia nicht als Süßstoff kaufen, dafür ist es (noch) nicht in der EU zugelassen. Doch man kann es vielerleiorts als Badezusatz kaufen. Es ist auch nicht besonders teuer: 100 g kosten gerade mal 4 €. Nimmt man 10% des süßenden Inhaltsstoffes an (siehe Wikipedia), bleiben 10 g, die 300 mal stärker süßen als Zucker, also das Äquivalent von 3 kg Zucker. Man kann sich das Zeug natürlich auch als bereits fertigen kristallinen Auszug bestellen, doch wenn ich schon die Chance habe, einen Süßstoff aus einem natürlichen Rohstoff zu erhalten, dann möchte ich den auch sehen, und mir keine Mischungen mit Sorbitol oder anderen Süßstoffen aufschwatzen lassen.
Das erste, was ich bemerkt habe: die Dosierung von getrockneten, fein geschnittenen Steviablättern ist äußerst schwierig. Auf eine ganze Kanne Tee reicht zum Süßen eine Messerspitze Stevia in einem Tee-Ei aus. Kurz ziehen lassen, herausnehmen, fertig. Es riecht dann bereits süß. Doch wie ist der Geschmack? Ernüchternd. Wer schon einmal mit Sorbit(ol) gesüßt hat, kann sich an diesen süßen, künstlichen, irgendwie widerlichen Geschmack erinnern. Stevia steht dem kaum nach. Zwar kriegt man davon keinen trockenen Hals, doch die Süße ist ähnliche eklig wie bei den künstlichen Süßstoffen.
Interessanter Weise teilen meine Eltern meine Meinung nicht: denen schmeckt der mit Stevia gesüßte Tee, aber keiner mit künstlichen Stoffen (Sorbit). Ob das hier mehr an der Kraft der Einbildung liegt, oder tatsächlich am anderen Geschmack? Dass beide Sachen verschieden schmecken, ist nicht von der Hand zu weisen, doch beide sind für mich keine Ersatz-Alternative zum guten alten Zucker. Der schmeckt einfach runder und hinterlässt einen wohligen Nachgeschmack. Restlos ersetzen könnte man Zucker mit Stevia aber sowieso nicht, denn beim Backen z.B. werden die großen Mengen Zucker auch rein für das Volumen gebraucht - was soll ich da mit einem Blättchen Stevia? Ok, man könnte dann Holzmehl einbacken, aber das würde dem Geschmack auch nicht zuträglich sein (wobei, bei manchen Bäckern hier in der Gegend könnte man meinen, sie täten dies bereits bei ihren Brötchen...).
Meine Erfahrung aus dem Ganzen: man kann Stevia mal probiert haben, dem einen schmeckt es, dem anderen nicht. Die Befürchtungen der Zuckerindustrie, es könnte eines Tages den Zucker als Süßungsmittel ablösen, sind meiner Meinung nach aber gänzlich übertrieben.



Aber beim Geschmack von Stevia wird das nicht passieren.
ich habe ca. 2 Jahre Erfahrung mit Stevia und ist nicht mehr aus unserer Küche weg zudenken. Die Süsse, genauso wie Süßstoffe ist für einige ungewohnt. Ich lebe zu 95% mit Urnahrung und möchte Sie wissen lassen , dass wenn Sie Jahre kein Zucker zu sich nehmen, wie furchtbar das schmeckt. Ich gebe Ihnen Recht, dass Stevia nicht zu 100% Zucker ersetzen kann. Es muss ja auch nicht ersetzen, schade ist, dass die Masse zu viel oder unbewusst Zucker am Tag zu sich führen und von Jahr zu Jahr der Konsum steigt. Ich kann für mich sprechen, wenn Sie den Zuckerkonsum einstellen und frische Nahrung essen, werden Sie feststellen, wo überall die Eigensüsse vorhanden ist.
Lesen bitte das Buch von Dr. M.O. Bruker Zucker Zucker - Krank durch Fabrikzucker.
Schön das Sie als junger Mann diese Thema aufgegriffen haben.
Freundliche Grüße
Sven Schüler
ich bin immer wieder erstaunt, wie man den "Ausstieg" aus der sich mit Conveniencenahrung versorgenden Masse schaffen kann. Zudem weiß ich, dass ich das niemals erreichen könnte. Es gibt ein paar Sachen, die enthalten z.B. auch Zucker in rauen Mengen und die könnte ich nicht missen - z.B. Schokolade. Nun kann man sagen: na dann nimm halt die mit 80% Kakao oder mehr - aber das ist für mich keine Schokolade mehr, das ist Erde. Allerdings wohl nur, weil ich die Süße des Zuckers mag. Ein Teufelskreis. Man müsste Stück für Stück entwöhnen, aber irgendwo wird es mir dann zu kompliziert.
Ohne das jetzt weiter ausführen zu wollen: ich bewundere Sie und gewiss werde ich weiterhin alternative Ernährungsmethoden ausprobieren, doch davon zu leben, darauf kann ich mich nicht einlassen.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Pfingstmontag
Wie meinte schon Bertolt Brecht:"Erst das Fressen, dann die Moral". Und so lange der Ersatzkäse fast genauso schmeckt wie der echte und dabei viel billiger ist, greifen die meisten Kunden zu, anstatt mehr Geld für bessere Qualität auszugeben.
Selbst Gourmets müssen passen, weil sie den Geschmackunterschied zwischen dem Kunstprodukt und dem echten Kuhkäse kaum schmecken können. Der Kunstkäse ist nicht gesundheitsschädlich. Sein einziger Vorteil: Mit dem Kunstprodukt, das sich unberechtigterweise Käse nennt, lässt sich richtig Kasse machen.
Wenn es danach geht, kann man wirklich nur noch die eigens angebaute Nahrung zu sich nehmen, aber wer hat schon diese Möglichkeit.